Mary Willis Walker: Unter des Käfers Keller

Klappentext: “In einem unterirdischen Raum werden elf Kinder gefangengehalten. Zusammen mit Walter Demming befinden sie sich in der Gewalt von Samuel Mordecai, der jeden Morgen das nahende Ende der Welt verkündet. Walter wird zur einzigen Hoffnung für die Kinder. Voller Sensibilität schafft er eine Innenwelt aus Ritualen, Zärtlichkeiten und Phantasie, in die sich die Kinder flüchten können. Die Zuversicht hält sie am Leben, während über der Erde Polizei und FBI verzweifelt versuchen, an die Gefangenen heranzukommen. Als alle Bemühungen ohne Erfolg bleiben, schmiedet die Journalistin Molly Cates einen atemberaubenden Plan…”

Einmal angefangen, wollte ich das Buch einfach nicht mehr weglegen, sondern musste es so schnell wie möglich durchlesen.
Ein Einsiedler und Außenseiter, der der Gesellschaft abgeschworen und sich zurückgezogen hat, befindet sich urplötzlich in der Position, sich um elf panische Schulkinder kümmern zu müssen und gleichzeitig vor ihnen die Reden des fanatischen Sektenführers Mordecai zu relativieren. Durch eine erfundene Fortsetzungsgeschichte (jeden Tag eine Episode, 50 Tage lang) verzaubert Walter die Kinder und lenkt sie von den grausamen Umständen ab, gleichzeitig verarbeitet er so unbewusst seine eigene Kriegsvergangenheit.
Auf der anderen Seite ist die ohnmächtige Polizei, die einfach nicht an Mordecai herankommt und unfaire Deals mit ihm eingeht. Einzig die Journalistin Molly Cates, die ihren nervtötenden Job eigentlich aufgeben wollte, versucht herauszufinden, was hinter dem Ganzen steckt und sucht nach Gründen in Mordecais Vergangenheit – und wird fündig. Schlussendlich riskiert sowohl sie als auch Walter ihr Leben während des Versuchs, das Leben der Kinder zu retten.

Alle Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, man kann mit ihnen mitfühlen und kommt trotz der vielen Namen und Personen nicht durcheinander. Molly Cates hat auf mich von Anfang sympathisch gewirkt, sie besitzt die richtige Mischung aus Skrupellosigkeit und Mitgefühl. Über Walter erfährt man nach und nach, was hinter seinem Einsiedlerleben steckt und dass er, obwohl er große Fehler begangen hat, dazu bereit ist, sein Leben für andere aufzuopfern. Jedes einzelne der elf Kinder wirkt authentisch, es ist eine bunt durchmischte Gruppe – von der selbstbewussten Anführerin über einen Rebellen bis zum asthmakranken Problemkind ist alles vertreten.
Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass die Kinder für ihr junges Alter viel zu abgeklärt wirken. 50 Tage in einem unter der Erde eingegrabenen Bus, jeden Tag gibt es nur Cornflakes mit Milch oder zur Abwechslung mal ein Erdnussbutterbrot, es sind keinerlei Waschmöglichkeiten vorhanden und eine Erdgrube dient als Toilette – ich bezweifle, dass man da in Wirklichkeit so cool und gelassen bleiben kann.
Ansonsten ist das Buch absolut empfehlenswert!

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